Als Mitarbeiter von Daimler AG nahm ich (Cüneyt Tural) Ende der Achtziger des vergangenen Jahrhunderts an einigen VDI Standardisierungsarbeitskreisen in Frankfurt a.M. teil. Immer wenn ich mich von meinem Büronachbar Gerd Eyssele verabschiedete, um mich nach Frankfurt auf den Weg zu machen, pflegte er scherzhaft zu sagen: "wer nicht weiter weiß, gründet einen Arbeitskreis". 

Öfters denke ich über seinen Satz nach, wenn ich Aufrufe wie "Industrie 4.0 braucht Richtlinien und Standards" lese.

In der Tat strebten wir damals diverse relevante Standards und Normen (siehe Industrie 4.0 - Offene Kommunikation in der Produktionsebene) an, die durchaus sinnvoll waren. Dadurch konnten Optimierungspotentiale im Bereich Automatisierung und Kommunikationstechnologien bis zu einem gewissen Grad erschlossen werden.

Da gab es auch die legendäre serielle Schnitsttelle RS-232, die genormt, standardisiert, von Richtlinien umhüllt war. Erinnern Sie sich an sie? Einen Praktikanten hatte ich beauftragt, die Anzahl der unterschiedlichen Versionen von RS-2323 in den Automatisierungssystemen im Werk Untertürkheim herauszufinden. Das Ergebnis war aufgrund der Vielfalt aufschlußreich ;)

Internet der Dienste inkl. Industrie 4.0 benötigt keine Richtlinien, keine Standards, keine Normen. Mein Vorschlag zur Güte: Die bestehenden reichen aus. Was wir brauchen, neue innovative Geschäftsmodelle, die für Disruption in den Märkten sorgen.

Wer die technologischen Fortschritte für Manufacturing Execution Systems MES, (Business Intelligence) Reporting, Robotik, Automatisierungsgeräte usw... als Industrie 4.0 Revolution zu verpacken versucht, soll er tun. Der technologische Fortschritt eröffnet neue Chancen in Richtung Internet der Dienstleistungen (Internet of Services). Absolut. Wer allerdings die ganze Thematik auf "Technologie" reduziert, wird keine globalen Wettbewersbwerfolge erzielen. 

Solche Begriffserklärungen müssen wir dringendst überarbeiten und für das Neuland Internet of Services beschreiben:

»Teil des Internets, der Dienste und Funktionalitäten als granulare, webbasierte Softwarekomponenten abbildet. Provider stellen diese im Internet zur Verfügung und bieten die Nutzung auf Anforderung an. Über Internetdiensttechnologien sind die einzelnen Softwarebausteine beziehungsweise Dienstleistungen miteinander integrierbar. Unternehmen können die einzelnen Softwarekomponenten zu komplexen und dennoch flexiblen Lösungen orchestrieren (diensteorientierte Architektur). Über cloud-basierte Entwicklungsplattformen kann eine Vielzahl an Marktakteuren sehr einfach internetfähige Dienstleistungen entwickeln und anbieten. Zudem entstehen Dienstplattformen, auf denen Kunden ein bedarfs-, beziehungsweise prozessorientiertes Komplettangebot finden, statt Einzelangebote suchen, vergleichen und zusammenstellen zu müssen. Das Internet entwickelt sich so zum Baukasten für IKT-Anwendungen, -Infrastrukturen und -Dienste.«

Ob Henning Kagermann für die Welt der Industrie 4.0 Begriffe einen transdisziplinären Arbeitskreis mit Soziologen, Technologen, Betriebswirtschaftlern, Nutzern, Startups einen intergenerationalen Arbeitskreis plant?

Die Chinesen fangen an, die Schnellzugstrecke von Beograd nach Budapest zu errichten.

Ab 2017 brauchen die Passagiere knapp zweieinhalb Stunden von Beograd nach Budapest.

Heute sind es acht Stunden.